07.10.2001 12:53
   
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Hamburg
Raboisen Nr. 9

Albert de Boor wurde 1852 in diesem Haus geboren. In seinen Jugenderinnerungen hält er fest:

"Mein Vater kaufte bei Gründung seines Hausstandes das Haus Raboisen No 9, welches noch bis in die ersten Jahre dieses Jahrhunderts gestanden hat, dann aber einem mehrere Grundstücke umfassenden modernen Kasten weichen mußte.
In meiner Jugend bestand es aus Parterre und 2 Stockwerken. Als es 1864 wieder verkauft wurde, baute der Käufer den Boden zu einem dritten Stockwerk aus. Im Souterrain war nach vorn hinaus die Mädchenstube, deren etwaige Näharbeiten Licht gab. Nach hinten hinaus muß die Küche gelegen haben, von ihr und den Kellerräumen ist mir aber keine Erinnerung geblieben. Im Parterre lag noch vorn hinaus neben der Haustür das zweifenstrige Zimmer meines Vaters. Die Haustür war durch einen Vorhang von der Diele getrennt. Hinter des Vaters Zimmer neben des Hauses stiller Klause, die durch vollständige Dunkelheit unvorteilhaft ausgezeichnet war, befand sich eine fensterlose Durchgangskammer, die als Toilettenzimmer meines Vaters eingerichtet war. Durch sie gelangte man in die nach hinten hinausblickende Schrankstube, wo die jetzt Eurer Mutter dienenden Leinen- und Vorratsschränke aufgestellt waren. Neben ihr lag endlich noch das Fremdenzimmer, aus welchem eine Tür in den minimalen Garten führte.

Raboisen; Brandsende, Georgsplatz und Glockengiesserwall bildeten hier ein Häuserviereck. Jedes Haus hatte ein Gärtchen, so daß ein recht großer freier Raum entstand, die Luft verhältnißmäßig gut, der Ausblick aus den oberen Stockwerken nicht so übel war.
Im ersten Stock kam man nach vorn hinaus in ein dreifenstriges Zimmer, das in ziemlicher Uebertreibung Saal genannt wurde. Dort aß man, wenn zufällig mal Gäste teilnahmen, im Allgemeinen war es unser Arbeits- und Spielzimmer, wenigstens seit Herbst 1859, da Helene Krämer als Erzieherin in unser Haus kam.
Neben diesem Saal war wieder ein fensterloses Durchgangszimmer, in welchem für gewöhnlich gegessen wurde. Es führte in das Wohnzimmer meiner Mutter, welches durch Wegnahme einer Zwischenwand aus zwei kleineren Zimmern entstanden war. Die Diele dieses Stockwerks war schon im Gegensatz zu der im Parterre sehr hell, was durch ein mächtiges Skylight bewirkt wurde. Der zweite Stock enthielt nach hintenhinaus das Schlafzimmer der Eltern und daneben ein kleineres Zimmer, welches namentlich morgens als Frühstückszimmer benutzt wurde. Neben dem fensterlosen Raum des ersten Stocks lag dann eine zweite Küche, die ihre Licht durch ein Dielenfenster erhielt. Gekocht wurde dort nie, später verwandelte sie sich in eine Badestube und eine Tür wurde nach der einfenstrigen Kinderschlafstube, die auf die Straße sah, gebrochen. Das neben unserer Schlafstube gelegene zweifenstrige Zimmer war ursprünglich sog. Kinderstube, dann Helenen's Zimmer.
Der Bodenräume entsinne ich mich nicht mehr, nur weiß ich, daß wir zuweilen durch Umfallen des dort lagernden Torfs erschreckt wurden.

Uebrigens lag das Haus auch nach vorn ziemlich frei, da sich gegenüber die ziemlich weit zurückgerückte Polizeiwache befand. Im Ganzen habe ich das Haus als ein recht gemütliches in Erinnerung, wenn ich auch weiß, daß mein Onkel Nölting es fürchterlich fand. Damit mag er im Grunde vielleicht recht haben, sein Urteil war eben gereifter als mein Kinderurteil."


 
 

     Die Gegend um die Straße Raboisen

 
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Die Altstadt von Hamburg - von St. Georg aus gesehen. Links das Haus Raboisen Nr. 9, im Vordergrund der Glockengiesserwall, rechts die Binnenalster.
Stahlstich von H. A. Payne, 1860

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