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Hamburg
Dockenhuden
Die Villa de Boor
Flurkarte von 1789

Die Villa de Boor 1850
Das Landhaus um 193?
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Die Gegend um das Landhaus bestand vor dessen Bau aus einem verwilderten
Baumgarten, mit Weiden, Buschwerk und herrlich alten Bäumen. Bereits im
Dreißigjährigen Krieg ist dort ein großer Bauernhof nachweisbar. Um 1762-1780
befand sich dieser Hof in den Händen von Ambrosius Heinrich Piccard und
seinen Erben; dann wurde er geteilt:
Der südlich von der damaligen Kirchstraße gelegende Teil kam zuerst in
Erbpacht an den Engländer Hutchison, dann als freies Eigentum an Aug.
Simons, endlich an Robert Flor, bis ihn schließlich Dr. Godeffroy mit
seinem Besitz vereinigte. Den nördlichen Teil (Nr. 2) behielt die Familie
Piccard.
Kurz vor oder nach 1800 wurde auf dem nördlichen Teil durch den Hamburger
Kaufman Piccard oder dessen Witwe ein Haus im klassizistischen Stil errichtet.
Die Witwe Piccard verkaufte diesen Besitz im Jahre 1803 an den Hamburger
Lizentiaten Friedrich Gerhard Vogel, und auf diesem Gelände ließ sich
Vogel durch den Baumeister Arens gleichfalls noch eine neues stattliches
Landhaus im klassizistischen Stil erbauen. Es dürfte dicht an der Elbchaussee
gestanden haben und war mit einem geräumigen Schmuckgarten nach Süden
zu umgeben. Das neue Vogelsche Haus war durch Arens in harmonischen Proportionen
errichtet: zweistöckig, mit sieben Fenstern Front, einer Attika im Dachgeschoß
und interessantem Eingangsportal.
Lizentiat Vogel war der Sohn eines Lübecker Arztes, hatte in Helmstedt
die Rechte studiert und sich 1765 in Hamburg niedergelassen, wo er 1769
Vicarius in Summo wurde. Er war seit 1801 vermählt mit der zu ihrer Zeit
überaus geschätzten Künstlerin Marie
Elisabeth de Boor, geb. Timmermann, die u.a. Klopstock fast in Lebensgröße
gemalt hat und mit diesem, der sie hier draußen besucht hat, gut bekannt
war.
Sie war die Mutter des Juristen Dr. Carl
Friedrich de Boor (1776-1848), der in der ausgebreiteten Advokatenpraxis
seines Stiefvaters Vogel arbeitete. Dieser setzt ihn auch als Alleinerbe
ein und nach Vogels Tod 1814 kam er in den Genuß des Erbes. Ob Carl Friedrich
und seine beiden Schwestern hier schon vorher oder in dem benachbarten
ehemals Piccardschen Haus wohnten, wissen wir nicht – allein der Hinweis
aus einem von Carl Friedrich verfaßten Brief des Jahres 1803 läßt es vermuten:
„Wann wird denn endlich Dockenhuden unser sein?“
C. F. de Boor vermählte sich 1806 mit Johanna Elisabeth Amsinck. Der zweite
Sohn dieser Ehe und spätere Verfasser der de Boorschen Familienchronik
Carl de Boor schrieb über diese Zeit:“ Mein lieber Bruder ging in die
Schule in der Anstalt von Hillefeldt und Friccino, nacher Friccino allein.
Im Sommer waren wir dort auch wegen des Gartenlebens in Dockenhuden ganz
in Pension, hatten es dort aber sehr schlecht, auch schlechte Aufsicht.“
Nach dem Tode der Johanna Elisabeth Amsinck heiratete C.F. de Boor 1816
die Senatorentochter Johanna Cornelia Sonntag. Deren Sohn Claus de Boor
wurde 1819 auf dem väterlichen Landsitz geboren, wuchs längere Jahre ziemlich
unbeaufsichtigt, abwechselnd in Hamburg und in Dockenhuden auf, wo er
meist in einer hohen Tanne saß und las.
Nach dem auch die zweite Ehefrau in jungen Jahren starb, lebte C. F. de
Boor dann im Winter in Hamburg (Kohlhöfen Nr. 66), im Sommer auf dem Landhause
in Dockenhuden, bis ihn die im Herbst 1831 ausbrechende Cholera veranlaßte
auch den Winter über auf den Garten zu bleiben. So lebte er ganz draußen
bis November 1834, wo er mit Frau und Kinder dritter Ehe seinen Aufenthalt
ganz in Oldesloe nahm.
Das alte Piccardsche Landhaus vermietete er an den preußischen Generalkonsul
Geheimen Kommerzienrat Johann Carl Heinrich Wilhelm Oswald. In dem Dockenhudener
Landhaus beherbergte er 1848 Prinz Wilhelm von Preußen, den späteren Kaiser
I., der sich infolge der Märzunruhen, vor der erregten Menge aus Berlin
ins Ausland begeben hatte. Auf seiner Reise nach England kam er über Bergedorf
nach Hamburg und stieg zunächst in der Stadtwohnung des Generalonsuls
ab. Später fuhr er von dort durch Altona nach der O´Swaldschen Wohnung
in Dockenhuden, wo er sich vierzehn Tage aufhielt.
Der alte Vogel – de Boorsche Landsitz aber hatte weiterhin folgende Schicksale:
Mit Beginn der Volljährigkeit bekam Claus
de Boor das gesamte Anwesen. O´Swald aber blieb dort noch bis 1864
zur Miete wohnen; wurden doch die Enkelkinder des Generalkonsuls (Kinder
des Kaufmanns und Generalkonsuls von Sansibar Albrecht O`Swald senior)
daselbst geboren. Dr. Claus de Boor verkaufte das gesamte Anwesen bereits
1851/52 an den damaligen Besitzer des Hirschparks, Johann Cesar VI Godeffroy,
der es zwanzig Jahre lang mit seinem Hirschparkbesitz, nur durch die Straße
getrennt, vereinigte. Er ließ das von Arens erbaute Vogelsche Haus abreißen
und dagegen das alte Haus im zweiten Stockwerk voll ausbauen.
1872 verkaufte dieser den ehemals de Boorschen Teil an den Renier J. John,
der das Grundstück bis 1889 besaß und liebevoll pflegte. J. John veräußerte
es 1889 an den Kaufmann Friedrich Elmenhorst (1847-1908). Er war vermählt
mit einer geborenen Lorenz-Meyer. Sein Nachfolger auf der Dockenhudener
Besitzung wurde 1900 Friedrich Kirsten. Das alte Landhaus war im Halbkreis
mit Lindenbäumen umgeben. Uralte Eichen, schöne Wiesen Gartenplätze umhegen
gefällig das Haus. Kirsten ließ die gesamte Gegend in kleinere Villengrundstücke
parzellieren und verkaufte sie. Mitten hindurch führen jetzt die Godeffroy-
und Gätgenstraße. 1927 wurde Dockenhuden zu Altona eingemeindet und 1937
ein Vorort Hamburgs. In den 70er Jahren wurde es dann abgerissen.
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