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Das Atelier von Hermann
de Boor in Hamburg und
die Ausbildung bei Wilhelm Camphausen in Düsseldorf
Hermann de Boor
1848-1889
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Im Frühjahr 1869 trat de Boor als Privatschüler bei Professor Wilhelm
Camphausen in Düsseldorf ein, welcher in dem jungen Manne bei Betrachtung
der vorgelegten Arbeiten sofort ein ungewöhnliches Compositionstalent
erkannte.
Für rund 10 Jahre ist das Haus Camphausens in der Jägerhofstrasse
9 Wohnung und Atelier des jungen Künstlers aus Hamburg.
"Der Professor selbst hatte sich am Ende seines Gartens ein einstöckiges
Hinterhaus bauen lassen, in welchem oben sein Atelier lag, während unten
zwei Zimmer und ein großer Kellerraum waren. Dieser ermöglichte es dem
Künstler, die großen Bilder, an denen er in jenen Jahren stets arbeitete,
durch einen breiten Spalt im Fußboden des Ateliers auf und ab zu wenden,
je nach dem gerade vorliegenden Bedürfniß."
Hermann de Boor war bald der Mittelpunkt eines zahlreichen Kreises von
jüngeren Künstlern, teils Deutschen, teils Engländern und Amerikanern,
auch ein von deutschen Eltern geborener Spanier Nagel war darunter.
Sein Bruder Albert de Boor, der ihn häufig bei Camphausens besuchte,
erinnert sich:
"Ich habe diese Freunde nach und nach auch alle kennengelernt;
namentlich erinnerlich sind mir der gute in Balarin geborene Eugen Pratje,
[...]. Ferner war uns sehr lieb der Engländer Ernest Crofts, der später
als Schlachtenmaler in seinem Vaterlande bekannt geworden ist. Endlich
will ich noch den Hamburger Carl Parts nennen. Sowohl an scharfem Verstand
als an künstlerischen Talenten war mein Bruder allen seinen Freunden überlegen.
Sie versammelten sich Abends in meines Bruders Atelier, wohl nicht immer
zur besonderen Freude Camphausens, da häufig mit allen möglichen Blech–
und Holzgeräten ein fürchterliches Concert gemacht wurde, dessen Kern
der Stubenbesitzer am Klavier bildete. Hermann war auf diesem Instrument
wie schon gesagt Meister. Seine Talente für die bildende Kunst waren sehr
groß, wie denn sein außerordentliches Compositionstalent stets die ungeteilte
Bewunderung Camphausen's erregt hat."
1880 Rückkehr nach Hamburg. Zusammen mit seiner späteren Frau
Julie de Boor verw. Ploos van Amstel (1848-1932) - eine in Hamburg angesehene
und vielbeschäftigte Portraitmalerin - teilt er sich ein Atelier.
Der Hamburger Heinrich Merck erinnert sich an die Arbeitsstätte:
[...] "Wie man sich die Anschauung verschaffen und komplizierte Situation
gleichsam nach der Natur entwerfen vermochte, wußte Herr de Boor aufs
Beste. Rings herum an den Wänden des Ateliers waren zahllose Uniformen
aufgereiht... Der Diener des Hauses hatte sich darin zu verkleiden und
in mannigfaltigen Posen, wie sie sein Herr gerade brauchte, ... Modell
zu stehen. Und auch Kavalleristen wußte er darzustellen. Zu diesem Zweck
stand mitten im Raum ein vierkantiges Lattengerüst in der Größe eines
Pferdes. Als französischer Kürassier schwang er sich auf dies angedeutete
Roß und hing, einen verwundeten Reiter wiedergebend, naturwahr zur Seite
herunter."
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Quellen und verwendete Literatur:
Gesichter und Persönlichkeiten, Giesela Jaacks, 1992
Aufzeichnungen des Albert de Boor über seine Jugendzeit
Heinrich Merck, Begegnungen und Begebnisse, Hamburg 1958
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