02.08.2001 20:14
   
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Das Atelier von Hermann
de Boor in Hamburg und
die Ausbildung bei Wilhelm Camphausen in Düsseldorf



Hermann de Boor
1848-1889

Im Frühjahr 1869 trat de Boor als Privatschüler bei Professor Wilhelm Camphausen in Düsseldorf ein, welcher in dem jungen Manne bei Betrachtung der vorgelegten Arbeiten sofort ein ungewöhnliches Compositionstalent erkannte.

Für rund 10 Jahre ist das Haus Camphausens in der Jägerhofstrasse 9 Wohnung und Atelier des jungen Künstlers aus Hamburg.

"Der Professor selbst hatte sich am Ende seines Gartens ein einstöckiges Hinterhaus bauen lassen, in welchem oben sein Atelier lag, während unten zwei Zimmer und ein großer Kellerraum waren. Dieser ermöglichte es dem Künstler, die großen Bilder, an denen er in jenen Jahren stets arbeitete, durch einen breiten Spalt im Fußboden des Ateliers auf und ab zu wenden, je nach dem gerade vorliegenden Bedürfniß."

Hermann de Boor war bald der Mittelpunkt eines zahlreichen Kreises von jüngeren Künstlern, teils Deutschen, teils Engländern und Amerikanern, auch ein von deutschen Eltern geborener Spanier Nagel war darunter.
Sein Bruder Albert de Boor, der ihn häufig bei Camphausens besuchte, erinnert sich:
"Ich habe diese Freunde nach und nach auch alle kennengelernt; namentlich erinnerlich sind mir der gute in Balarin geborene Eugen Pratje, [...]. Ferner war uns sehr lieb der Engländer Ernest Crofts, der später als Schlachtenmaler in seinem Vaterlande bekannt geworden ist. Endlich will ich noch den Hamburger Carl Parts nennen. Sowohl an scharfem Verstand als an künstlerischen Talenten war mein Bruder allen seinen Freunden überlegen. Sie versammelten sich Abends in meines Bruders Atelier, wohl nicht immer zur besonderen Freude Camphausens, da häufig mit allen möglichen Blech– und Holzgeräten ein fürchterliches Concert gemacht wurde, dessen Kern der Stubenbesitzer am Klavier bildete. Hermann war auf diesem Instrument wie schon gesagt Meister. Seine Talente für die bildende Kunst waren sehr groß, wie denn sein außerordentliches Compositionstalent stets die ungeteilte Bewunderung Camphausen's erregt hat."

1880 Rückkehr nach Hamburg. Zusammen mit seiner späteren Frau Julie de Boor verw. Ploos van Amstel (1848-1932) - eine in Hamburg angesehene und vielbeschäftigte Portraitmalerin - teilt er sich ein Atelier.

Der Hamburger Heinrich Merck erinnert sich an die Arbeitsstätte:
[...] "Wie man sich die Anschauung verschaffen und komplizierte Situation gleichsam nach der Natur entwerfen vermochte, wußte Herr de Boor aufs Beste. Rings herum an den Wänden des Ateliers waren zahllose Uniformen aufgereiht... Der Diener des Hauses hatte sich darin zu verkleiden und in mannigfaltigen Posen, wie sie sein Herr gerade brauchte, ... Modell zu stehen. Und auch Kavalleristen wußte er darzustellen. Zu diesem Zweck stand mitten im Raum ein vierkantiges Lattengerüst in der Größe eines Pferdes. Als französischer Kürassier schwang er sich auf dies angedeutete Roß und hing, einen verwundeten Reiter wiedergebend, naturwahr zur Seite herunter."

 
    Portrait des Schlachtenmalers Hermann de Boor

 
   


Quellen und verwendete Literatur:


Gesichter und Persönlichkeiten, Giesela Jaacks, 1992
Aufzeichnungen des Albert de Boor über seine Jugendzeit
Heinrich Merck, Begegnungen und Begebnisse, Hamburg 1958

 
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