 |
Die Kunstakademie
in Kassel
Kunstakademie Kassel

Diplom von 1780

Die Aufnahme
zum Ehrenmitglied
|
Die Gründung der Kasseler Akademie 1777 gehört zu den Höhepunkten der
Regierungstätigkeit des Landgrafen Friedrich II. (1760-1785), denn damit
gewann die Landgrafschaft Hessen-Kassel Anschluss an die europäische
Entwicklung der Künste.
Zum einem vermehrte eine Akademie den Ruhm des Landesherren und diente
den repräsentativen Aufgaben des Hofes, zum anderen zeugte sie von Bildung
und Geschmack eines aufgeklärten Fürsten. Die Kassler Kunstakademie
besaß eine Vorgängerinstitution, die sogenannte „Kunstschule“, seit
1775 auch „Maler- und Bildhauer-Akademie“ genannt, die im Kunsthaus
(Ottoneum), dem heutigen Naturkundemuseum untergebracht war.
Landgraf Friedrich II. hatte schon bald nach der Regierungsübernahme
1760 namhafte Kassler Gelehrte und auswärtige Wissenschaftler als Professoren
verpflichtet. Dazu gehörte z.B. der in Kassel ansässige Hofmaler Johann
Heinrich Tischbein d.Ä. Das Angebot des Kunstunterrichts wurde
ausgeweitet, als 1766 der Hofarchitekt Simon Louis du Ry (1726-1799)
und 1767 der Bildhauer Johann August Nahl (1710-1785) zu Professoren
sowie Tischbeins Neffe Johann Heinrich (1742-1808) zum Zeichenlehrer
ernannt wurden.
Neben den Zeichnungen und Kupferstichvorlagen, die den Schülern von
den Lehrern zur Verfügung gestellt worden, dienten insbesondere die
Sammlungen des Landesfürsten als Anschauungsmaterial und vielschichtiger
Lehrstoff. Dazu gehörten Gipsabgüsse berühmter antiker Bildwerke und
eine Auswahl aus den Beständen der Gemäldesammlung, die in den Räumen
der Akademiehauses untergebracht waren. Darüber hinaus stand den Schülern
während ihrer Unterrichtsstunden, zu denen laut den Statuten ausdrücklich
Frauen in der zweiten Klasse zugelassen waren, die nur schrittweit entfernte
Gemäldegalerie des Landgrafen offen.
Die Professoren der Akademie hatten je nach Fach – Malerei, Zeichnung,
Bildhauerei und Baukunst – direkten Einfluss auf die Förderung junger
Schüler. Für besonders Begabte waren in den Statuten jährlich zu vergebene
Preise und die damit verbundene Verleihung von Preismedaillen festgesetzt.
Die Schüler, aber auch auswärtige Künstler, konnten sich mit der Abgabe
einer Arbeit an diesem Wettbewerb beteiligen. Ein Preisträger konnte
auf Vorschlag der Professoren auch zum Mitglied der Akademie ernannt
werden. Mit der Mitgliedschaft verbunden war ein sogenanntes Aufnahmestück
– Gemälde, Skulptur oder Zeichnung - , welches das neue Mitglied der
Akademie vermachte. Auf diese Weise kam im Laufe der Jahre eine Sammlung
zustande, die später in den Besitz der staatlichen Museen Kassel gelangte.
Unmittelbar nach Gründung der Kunstakademie reiste Maria
Elisabeth de Boor aus Hamburg in das mehr als 300 km entfernte Kassel.
Den hier unterrichtenden Johann Heinrich Tischbein kannte sie schon
aus seiner Hamburger Zeit, als er Kassel wegen der französischen
Besatzung verließ und 1758 die Familie auf ihrem Anwesen porträtierte.
Während des
fast zweijährigen Studienaufenthaltes zeichnete, malte und schuf
sie allerlei Bilder und Gipsskulpturen, von denen sich einige in ihrem
Nachlass wiederfanden - heute aber verschollen sind.
21 Studenten waren im Jahr 1780 in Kassel eingetragen und am Ende ihrer
Ausbildung wurde nicht nur Elisabeth, sondern auch die Tochter ihres
Professors Amalie Wilhelmine Caroline Tischbein (1757-1839) als Ehrenmitglied
der Kunstakademie aufgenommen. Die Bilder von Elisabeths Schwestern
sollen aus ihrer Hand stammen.
|
|