08.09.2002 10:38
   
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Die Kunstakademie
in Kassel



Kunstakademie Kassel



Diplom von 1780
Diplom von 1780



Aufnahme zum Ehrenmitglied
Die Aufnahme
zum Ehrenmitglied

Die Gründung der Kasseler Akademie 1777 gehört zu den Höhepunkten der Regierungstätigkeit des Landgrafen Friedrich II. (1760-1785), denn damit gewann die Landgrafschaft Hessen-Kassel Anschluss an die europäische Entwicklung der Künste.
Zum einem vermehrte eine Akademie den Ruhm des Landesherren und diente den repräsentativen Aufgaben des Hofes, zum anderen zeugte sie von Bildung und Geschmack eines aufgeklärten Fürsten. Die Kassler Kunstakademie besaß eine Vorgängerinstitution, die sogenannte „Kunstschule“, seit 1775 auch „Maler- und Bildhauer-Akademie“ genannt, die im Kunsthaus (Ottoneum), dem heutigen Naturkundemuseum untergebracht war.

Landgraf Friedrich II. hatte schon bald nach der Regierungsübernahme 1760 namhafte Kassler Gelehrte und auswärtige Wissenschaftler als Professoren verpflichtet. Dazu gehörte z.B. der in Kassel ansässige Hofmaler Johann Heinrich Tischbein d.Ä. Das Angebot des Kunstunterrichts wurde ausgeweitet, als 1766 der Hofarchitekt Simon Louis du Ry (1726-1799) und 1767 der Bildhauer Johann August Nahl (1710-1785) zu Professoren sowie Tischbeins Neffe Johann Heinrich (1742-1808) zum Zeichenlehrer ernannt wurden.

Neben den Zeichnungen und Kupferstichvorlagen, die den Schülern von den Lehrern zur Verfügung gestellt worden, dienten insbesondere die Sammlungen des Landesfürsten als Anschauungsmaterial und vielschichtiger Lehrstoff. Dazu gehörten Gipsabgüsse berühmter antiker Bildwerke und eine Auswahl aus den Beständen der Gemäldesammlung, die in den Räumen der Akademiehauses untergebracht waren. Darüber hinaus stand den Schülern während ihrer Unterrichtsstunden, zu denen laut den Statuten ausdrücklich Frauen in der zweiten Klasse zugelassen waren, die nur schrittweit entfernte Gemäldegalerie des Landgrafen offen.

Die Professoren der Akademie hatten je nach Fach – Malerei, Zeichnung, Bildhauerei und Baukunst – direkten Einfluss auf die Förderung junger Schüler. Für besonders Begabte waren in den Statuten jährlich zu vergebene Preise und die damit verbundene Verleihung von Preismedaillen festgesetzt. Die Schüler, aber auch auswärtige Künstler, konnten sich mit der Abgabe einer Arbeit an diesem Wettbewerb beteiligen. Ein Preisträger konnte auf Vorschlag der Professoren auch zum Mitglied der Akademie ernannt werden. Mit der Mitgliedschaft verbunden war ein sogenanntes Aufnahmestück – Gemälde, Skulptur oder Zeichnung - , welches das neue Mitglied der Akademie vermachte. Auf diese Weise kam im Laufe der Jahre eine Sammlung zustande, die später in den Besitz der staatlichen Museen Kassel gelangte.

Unmittelbar nach Gründung der Kunstakademie reiste Maria Elisabeth de Boor aus Hamburg in das mehr als 300 km entfernte Kassel. Den hier unterrichtenden Johann Heinrich Tischbein kannte sie schon aus seiner Hamburger Zeit, als er Kassel wegen der französischen Besatzung verließ und 1758 die Familie auf ihrem Anwesen porträtierte.
Während des
fast zweijährigen Studienaufenthaltes zeichnete, malte und schuf sie allerlei Bilder und Gipsskulpturen, von denen sich einige in ihrem Nachlass wiederfanden - heute aber verschollen sind.
21 Studenten waren im Jahr 1780 in Kassel eingetragen und am Ende ihrer Ausbildung wurde nicht nur Elisabeth, sondern auch die Tochter ihres Professors Amalie Wilhelmine Caroline Tischbein (1757-1839) als Ehrenmitglied der Kunstakademie aufgenommen. Die Bilder von Elisabeths Schwestern sollen aus ihrer Hand stammen.

 
       
   

Quellen und verwendete Literatur:

Dr. Marianne Heinz, Staatliche Museen Kassel

Archiv der Familie de Boor

 
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