24.12.2006 12:48
   
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Stammbaum der Johanna Elisabeth de Boor
 
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Johanna Elisabeth Lüders,
geb. de Boor
* 1811 † 1880
Botanikerin

Johanna Elisabeth d e  B o o r, geb. 21.10.1811, gest. 18.07.1880 in Badenweiler. Tochter des Hamburger Advokaten Carl Friedrich de Boor (1776-1848) und der Senatorentochter Johanna Elisabeth Amsinck (1786-1812).

"Meine Schwester hatte eine sehr ungetrübte bequeme Jugend gehabt. Aus Grundsatz wurde sie in keine Schule geschickt, auch den Privatunterricht hatte sie nicht mit anderen Mädchen zusammen, sondern meist allein. Da so der Wetteifer fehlte, sie auch von Natur keinen grossen Trieb zum Lernen hatte, machte sie ungeachtet ihres großen Verstandes keine grossen Fortschritte. Da sie indessen herangewachsen in jeder Beziehung (sie war auch schön von Gesicht) für "eine gute Partie" gelten konnte, so erregte es ziemlich allgemeine Verwunderung, als sie sich ohne weiteres entschloß, den Anträgen eines Mannes Gehör zu geben, der, über noch einmal so alt war wie sie, und ein Auswärtiger war.
Diesen, den damaligen Obergerichtsrat Peter Lüders in Glückstadt heiratete sie den 3. Dez. 1831. Er war freilich ein Mann von ausgezeichneten geistigen Eigenschaften. Ihre, auch mit Kindern gesegnete Ehe, war eine sehr glückliche, abgesehn davon, daß meine Schwester später, von fast fortdauernder sehr ernster Kränklichkeit heimgesucht war, welche mehrere Jahre fortgesetzte Besuche des Seebades in Kuxhaven in Holstein zur Folge hatte. Bei der neuen Organisation der oberen Behörden in Holstein und Schleswig wurde Lüders als Regierungsrath nach der Stadt Schleswig versetzt, 1834, wo die Familie seitdem lebt. Im Jahre 1846 wurde er, nebst den meisten anderen Regierungsräthen in Ruhestand mit vollem Gehalt versetzt. Im Sommer 1850 nötigten ihn die politischen Ereignise, Schleswig schleunig zu verlassen und sich in Holstein aufzuhalten. Er war meist in Kiel, wohin er im Frühjahr 1851 auch seine Familie zum bleibenden Domizil nachkommen liess."
[...]

Nachdem 1851 ihre Söhne auf die Universität gegangen waren und ihre Tochter geheiratet hatte, konnte sie sich endlich ganz der Botanik widmen, eine Tätigkeit, die sie schon längere Zeit, z.B. durch das Erlernen der lateinischen Sprache, vorbereitet hatte. In Kiel fand sie hierfür günstige Voraussetzungen vor: Prof. Jessen machte sie mit den allgemeinen Grundlagen vertraut, Prof. Nolte führte sie in die einheimische Flora ein und bei Prof. Hensen erlernte sie das Mikroskopieren. Zunächst sammelte sie Moose und Algen, über die sie zahlreiche Beiträge für Ludwig Rabenhorsts 'Algen Sachsens' (herausgegeben von E. Sitzenberger, Dresden 1860) lieferte, bald aber begann sie mit spezielleren Untersuchungen, zunächst der Diatomeen. Ihre diesbezüglichen Arbeiten werden in Pfitzer's Abhandlung über die Bacillarien gewürdigt. Danach begann sie Experimente über Schimmelpilze, die allerdings umstrittener waren. Aus gesundheitlichen Gründen mußte sie ihre Forschungen allerdings bald darauf aufgeben und verbrachte ihre letzten Lebensjahre in Badenweiler. Ihre botanischen Sammlungen und ihre Bibliothek vermachte sie dem botanischen Institut der Universität Kiel.

 
Veröffentlichungen:
Wichtigste Werke:
Einige Bemerkungen über Diatomeen-Cysten und Diatomeen- Schwärmsporen. in: Botanische Zeitung 18 (1860) 377-380.
Beobachtung über die Organisation, Teilung und Kopulation der Diatomeen. in: Botanische Zeitung 20 (1862) 41-43, 49-52, 57-61, 65-69.
Über Abstammung und Entwickelung des Bacterium Termo Duj., Vibrio lineola Ehrb. in: Botanische Zeitung 24 (1866) 33-39, 41-46.
sowie unter gleichem Titel aber "mit verbesserten Beweisen": in: Schultze's Archiv 3 (1867) 317-341.
    Quellen und verwendete Literatur:  
   

Familiennachrichten über die Familie de Boor von Carl de Boor (1810-1853)

 

Lexikon der Schleswig-Holstein-Lauenburgischen und Eutinischen Schriftsteller von 1829 bis Mitte 1866. 2 Bde. Kiel 1867-6 von Eduard Alberti

Deutsches Bibliographisches Archiv, Fundstelle I 788, 223-224

   

FRAUEN IN DEN NATURWISSENSCHAFTEN - VOM MITTELALTER, BIS ZUR NEUZEIT Begleitheft zur Ausstellung anläßlich der Universitätstage 1985 im Foyer des Hauptgebäudes der Universität Hamburg, bearbeitet von  ANNA-PIA KÖPPEL

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