29.09.2002 14:10
   
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Dr. Carl Gotthard de Boor
* 1848 † 1923
Byzantinist

Carl Gotthard de Boor, geb. 04. März 1848 in Hamburg, gest. 31.01.1923 in Marburg/Lahn; Sohn des Hamburger Advokaten Carl de Boor (1810-1853) und der Auguste Schwartze (1813-1862), Tochter des Hamburger Kämmereischreibers Gerhard Gabriel Schwartze.

Nach dem frühen Tod der Eltern wurde der 14jährige in einer Lehrerfamilie in Ratzeburg erzogen.
1868 Beginn des Studiums der klassischen Philologie, Archäologie und Geschichte in Bonn.
Als Freiwilliger im Krieg 1870/71 mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet, als er in der Schlacht bei Beune d`Rolande - nach dem Tod aller Offiziere - das Kommando übernahm und eine wichtige Stellung erstürmte.

Von Herbst 1871 bis Ende 1872 Fortsetzung des Studiums in Berlin.
Sein Lehrer Theodor Mommsen veranlaßte ihn, besonders alte byzantinische Handschriften zu vergleichen. Zu diesem Zweck unternahm er später Studienreisen nach England (1874), Griechenland (1876), Italien (1895/1898), Spanien (1899) und arbeitete dort in den Klosterbibliotheken.

Am 15. Januar 1873 Promotion (Dr. phil.) in Berlin. Im Juni 1879 Volontär der Universitätsbibliothek Berlin und 8 Monate später Assistent in der Königlichen Bibliothek Berlin. Mommsen rät ihm zur Habilitation.

Im Oktober 1880 Heirat mit Manon Meyer (1851-1952) in Berlin. Ihre heitere und gesellige Natur zog einen feingebildeten Freundeskreis ins Haus. 1881 und 1883 Geburt der ersten beiden Kinder Wolfgang und Manon. Theodor Mommsen verschafft ihm dann eine Stelle in Berlin.
Von Mai 1886 an Kustos an der Universitätsbibliothek Bonn. 1891 Geburt des 3. Kindes Helmut de Boor. Im gleichen Jahr Umzug nach Breslau, Anstellung als Bibliothekar an der dortigen Universität - später Oberbibliothekar. 1897 erhält er den Professorentitel. 1899 Geburt des vierten Kindes Werner de Boor.

In all den Jahren bedrückte ihn, daß er kaum noch Zeit für seine wissenschaftlichen Arbeiten fand, da er stets genötigt war, besser bezahlte Verwaltungsposten zu übernehmen. Nach seiner Pensionierung 1909 erwarb er in Marburg ein schönes Haus mit großem Garten, dem er sich viel widmete. Er starb 75jährig am 31.01.1923.


Neue Deutsche Biographie:
Als Schüler von Mommsen wandte sich B. frühzeitig der Erforschung der Quellen der oström. Geschichte zu. Er hat eine Anzahl der wichtigsten von diesen nach eingehenden Handschriftenstudien in musterhafter und abschließender Weise ediert. Seine daneben hergehenden Arbeiten zur Überlieferungsgeschichte dieser Texte galten den schwierigsten Fragen der byzantin. Quellenkunde und haben durch ihre mit überlegener Kenntnis des Materials und mit methodischer Strenge geführten Untersuchungen wesentlich zur Entwicklung der moderneren byzantin. Philologie beigetragen. Diese Probleme beschäftigten ihn während der ganzen Laufbahn als Bibliothekar. [Neue Deutsche Biographie S. 451/452 2. Band 1955]

 
       
   

Veröffentlichungen:

 
   

1. Fasti censorii. (Berlin: phil. Diss. 1873) Berlin: Weidmann 1873. 100 Seiten
2. [Hrsg.] Nicephori Patriarchae Opuscula historica. Accedit Ignatii Diaconi vita Nocephori. Leipzig: Teubner 1880. LII, 279 Seiten
3. Zur Kenntnis der Weltchronik des Georgios Monachos. In: Historische Untersuchungen Arnold Schäfer zum 25jährigem Jubiläum seiner akademischen Wirksamkeit. Bonn: Strauß 1882. VII, 364 Seiten
4. [Hrsg.] Theophanes Confessor. Chronographia. 2 vol Opus ab Academia Regia Bavarica praemio zographico ornatum. Leipzig: Teubner 1883 - 1885.
5. Die Chronik des Georgius Monachus als Quelle des Suidas. In: Hermes. Zeitschrift für klassische Philologie. 21, 1886. Seite 1 - 26.
6. [Hrsg.] Theophylactus Simocatta: Historiae. Leipzig: Teubner 1887. XIV, 437 Seiten
7. Vita Euthymii. Ein Anecdoxon zur Geschichte Leos des Weisen a. 886 - 912. Berlin: Reimer 1888. VIII 232 Seiten.
8. [Hrsg.] Neue Fragmente des Pappias Hegesippus und Pierius in bisher unbekannten Excerpten aus der Kirchengeschichte des Philippus Sidetes. In: Texte und Untersuchungen zur Geschichte der altchristlichen Literatur. 3, 2. Leipzig 1888.
9. Katalog des Niederrheinischen Vereins für öffentliche Gesundheitspflege. Köln: Kölner Verlagsanstalt 1891. 163 Seiten.
10. Verzeichnis der griechischen Handschriften 2. In: Die Handschriftenverzeichnisse der Königlichen Bibliothek zu Berlin. 11. Bearb. von W. Studemann und C. de Boor. Berlin: Asher 1897. VIII, XXXVI, 254 S.
11. Bericht über eine Studienreise nach Italien, Spanien und England zum Zwecke handschriftlicher Studien über byzantinische Chronisten. In: Sitzungsberichte der Königlichen Preußischen Akademie der Wissenschaften. Berlin 1899, Seite 922 - 934.
12. Zweiter Bericht über eine Studienreise nach Italien zum Zwecke handschriftlicher Studien über byzantinische Chronisten. In: Sitzungsberichte der Königlichen Preußischen Akademie der Wissenschaften. Berlin 1902, Seite 146 - 164.
13. [Hrsg.] Excerpta de lagationibus. 1.2. Berlin: Weidmann 1903. (Excerpta historica iussu imp. Constantini Porphyrogeniti. 1, 1.2.).
14. [Hrsg.] Georgius Monachus: Chronicon. 2 vol. Leipzig: Teubner 1904.

 
   

 
    Quellen und verwendete Literatur:  
   

Aus den Aufzeichnungen von Manon Peiffer (geb. de Boor) 1942 und den Erinnerungen von Werner de Boor auf die Fragen seines Sohnes Carl, sowie der Universitätsbibliothek Bonn.

 
   

 

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